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Bleibt bald alles dreckig? Gewerkschaft droht mit Streik der Reinigungskräfte

„MÜSSEN JEDEN EURO ZWEIMAL UMDREHEN“


München, 02.08.2019
25.400 Menschen arbeiten in München in der Gebäudereinigung. Sie könnten bald streiken, warnt die Gewerkschaft IG Bau.

München - Behördenbesucher, Krankenhauspatienten aber auch Arbeitnehmer könnten schon bald vor einem ziemlich unangenehmen Problem stehen - möglicherweise sogar noch mitten im Sommer: Die Gewerkschaft IG Bau droht mit einem Streik der Reinigungskräfte in Oberbayern. Sollte die seit über einem Jahr andauernde Tarifrunde bis zum 15. August keinen Durchbruch bringen, müsse auch in München mit Arbeitsniederlegungen gerechnet werden, heißt es in einer am Donnerstag versandten Mitteilung der Gewerkschaft.

Der Grund für die Streik-Drohung: Nach Angaben der IG Bau legen aktuell viele Reinigungsfirmen ihren Angestellten neue Verträge zu schlechteren Konditionen vor. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) habe den Rahmentarifvertrag für die Branche zum 31. Juli gekündigt. Neu verhandelt wird aber erst ab 15. August. Bis dahin wollten die Arbeitgeber offenbar die Standards drücken, meint die Gewerkschaft.

Streik der Reinigungskräfte in München? Gewerkschaft beklagt „Schlag ins Gesicht“ für Angestellte
Vielerorts würden Zuschläge für Überstunden und besondere Aufgaben gestrichen, heißt es - und das, obwohl die Reinigungskräfte im teuren München ohnehin schon mit Problemen kämpften. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die ohnehin jeden Euro zweimal umdrehen müssen“, erklärte die IG Bau. Zugleich würden in neuen Vertragsangeboten Urlaubstage gestrichen und bislang feste Arbeitszeiten flexibilisiert.

Eine Vollzeit-Reinigungskraft, die rund 1.300 Euro netto verdiene, habe schon jetzt große Probleme eine bezahlbare Wohnung in München zu finden, warnte die Gewerkschaft. Zugleich habe ein Großteil der Beschäftigten nur einen Teilzeit- oder Minijob: „Da wird es am Monatsende richtig eng.“

Streik angedroht: 25.400 Menschen putzen allein in München
Eine Forderung richteten die Arbeitnehmervertreter auch an die Städte - sie könnten die Regeln festlegen, nach denen Schulen, Rathäuser und Ämter gereinigt werden, erklärte der Bezirksvorsitzende Michael Müller: „Zu sauberen Gebäuden gehören auch saubere Arbeitsbedingungen.“

Der BIV hatte hingegen bereits im Juni betont, der Rahmentarifvertrag habe aufgrund eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts gekündigt werden müssen. „Unsere Unternehmen stehen seit vielen Jahren nachweislich für steigende Tariflöhne und faire Arbeitsbedingungen“, betonte Geschäftsführer Johannes Bungart damals.

Insgesamt arbeiten nach Daten der Arbeitsagentur in Bayern rund 110.000 Menschen in der Gebäudereinigung. In München sind es nach Angaben der Gewerkschaft 25.400 Menschen.

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